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Menschlich betrachtet - Hochwasser 2002:

Menschlich betrachtet ... Hochwasserkatastrophe 2002
Gedanken des Ortsfeuerwehrkommandanten HBI Rupert Unterwurzacher nach extremen 14 Tagen, die in der Geschichte der Freiw. Feuerwehr Kuchl einzigartig ist. 

Hochwasser in Kuchl und Adnet - Verkehrsunfall mit 4 Toten und 5 Verletzten - und dann noch: HOCHWASSER- Katastrophengebiet Kuchl.

Fünf Tage Dauereinsatz, helfen, arbeiten, kurz ausrasten und dann geht es schon wieder weiter. Keine Zeit für's Fotografieren oder um die Homepage zu erneuern. Ich konnte meinen eigenen Anspruch an Aktualität, bei weitem nicht erfüllen. In manchen Fällen lässt sich die Funktion des Ortsfeuerwehrkommandanten und des Webmasters halt nur schwer vereinen. In der Zwischenzeit hat sich die Lage wieder halbwegs beruhigt und man hat Zeit, das Ganze ein wenig aufzuarbeiten und die Geschehnisse im Gedanken Revue passieren zu lassen:

Erstaunlich was einem alles zu Ohren kommt:


Da gibt es doch tatsächlich einige Bürger, die meinen der Bürgermeister ist am Hochwasser schuld, weil "er" die Bahnunterführung gebaut hat oder sogar die Feuerwehr ist schuld, weil sie die Unterführung nicht mit Sand (?!?) oder Sandsäcken abgedichtet hat.

Menschlich verständlich, aber logisch nicht ganz nachvollziehbar ..., viele haben ihr Hab und Gut verloren, stehen vor den Trümmern, Emotionen kommen hervor. Doch in diesem Katastrophenfall wäre jede Aktion zu spät gekommen. Früher war das Gleisniveau niedriger und hatte ebenfalls einen kleinen Durchlass. Das Wasser wäre ebenfalls gekommen, nur hätte es etwas länger gedauert.

Die Schäden in der Siedlung um den Bauhof hätten ein wesentlich grö0eres Ausmaß angenommen.

Über Verbesserungen wird und muss man sich auf jeden Fall Gedanken machen.


Und weil wir schon bei Emotionen sind, folgende Situation: da schießt das Wasser innerhalb weniger Minuten in den Untermarkt, unsere Feuerwehrmänner haben alle Hände voll zu tun, um das Ärgste zu verhindern. Aus einem Keller tritt Öl aus, ist aber wegen der starken Strömung nicht zu binden. Da beginnt ein Anrainer die Einsatzkräfte in unmöglicher Art zu beschimpfen, dass sie zu Nichts fähig sind ...

Nicht unmenschlich - aber kaum verständlich ...

Der Ortsfeuerwehrkommandant-Stellvertreter, der vor Ort ist, gibt ihm zur Antwort - In Anbetracht des letzten Unfalles mit 4 Toten und 5 Verletzten, relativiert sich das Leben wieder und man weiß, wo die wahren Werte sind. Es ist jeder zu bedauern, der von dieser Katastrophe betroffen ist, der Schaden ist enorm, bei dem Einen mehr bei dem Anderen weniger. Jedoch ist die finanzielle Situation für jeden Einzelnen belastend. Die Feuerwehr hat geholfen so gut es eben ging und dies wird vom größten Teil der Betroffenen mit Dank anerkannt, wie die zahlreichen Reaktionen zeigen.

Übrigens brauchte einen Tag später der besagte Anrainer die Feuerwehr zum Keller auspumpen - Ein Dankeschön hat man von ihm nicht gehört.

   
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Dank ...  
Gott sei Dank sind unberechtigte Kritiker die Ausnahme, das positive Echo in der Bevölkerung ist gewaltig: In einer Wohnsiedlung, die einer der Schwerpunkte war, gehen die Bewohner, junge Familien und ältere Personen, für die Feuerwehr sammeln und bedanken sich mit einem Billet und wirklich netten Worten - sehr menschlich und gewaltig motivierend.
Eine 80-jährige Großmutter, der wir unsere Hilfe anbieten, erzählt uns, dass sie sich gar nicht anrufen getraut hat, weil sie geglaubt hat, wir haben sowieso soviel Arbeit und keine Zeit. Zahlreiche Geschädigte helfen uns mit Verpflegung und Getränken. Überhaupt ist die Nachbarschaftshilfe erstaunlich. Menschen wachsen durch die große Not zusammen. Auch der Bezirkshauptmann besucht uns - ohne Kamera und Presse. Er nimmt sich Zeit, um mit den Betroffenen zu reden und zu trösten. Nachdem er sich verabschiedet hat, es gibt auch noch viele andere betroffene Ort im Tennengau, kommt er noch einmal allein zurück um, wie versprochen, auch noch die Feuerwehr, die ja auch selbst betroffen war, zu besuchen - Sehr menschlich ...
Aus anderen Orten hört man, dass die gesamte Verpflegung für die Feuerwehrmänner, an diesen fünf Tagen, die örtlichen Wirte übernommen haben - eine sehr menschliche Geste. Wir in Kuchl möchten uns beim Jadorferwirt sehr herzlich bedanken, der den Löschzug Jadorf zum Essen eingeladen hat. Ein ganz spezieller Dank gilt  auch der Familie Seiwald - Römischer Keller, für ihre großzügige Unterstützung nach dem Hochwasser.
   
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Feuerwehr intern ...  

In Anbetracht des großen Leides rund um uns herum, wollen wir ja nicht jammern - aber es kann einem das Herz zerreißen, wenn man sich unser Feuerwehrhaus ansieht. Man kann nur froh sein, dass sich unsere Leute im letzten Augenblick aus dem Keller retten konnten und es keine Verletzte oder gar Tote gab.

Wir hatten schon immer Probleme mit dem Grundwasser, die Mauern waren feucht und das Klima war nicht das Gesündeste, abgesehen davon, das der Raum nur für 50 Personen ausgelegt ist (bei 112 aktiven Mitgliedern). Aber nun ist alles zerstört: Die Küche, der Schulungsraum, die Schlauchwaschanlage, die Räume der Zimmergewehrschützen und der gesamte Keller. Viele historische Gegenstände, wie Fahne, Fahnenbänder, Wimpel, Bartuch ... sind beschädigt. In letzter Zeit waren wir im Feuerwehrhaus Kuchl durch die örtlichen Gegebenheiten sehr eingeschränkt, doch nun müssen wir Sachen teilweise in den Bauhof Kuchl ausgliedern und  unser Dachboden ist vollgeräumt.

Ein Rückkehr mit dem Schulungsraum in den Keller ("das Loch") wäre ein Unding und für die Feuerwehrkameraden unvorstellbar. Im Keller könnten wir die dringend benötigten Lagerräume unterbringen. Man muss sich selbstverständlich eine Gesamtlösung genau überlegen.


Allein ist man Niemand - Dies hat sich bei den letzten Einsätzen immer wieder bewahrheitet. Es ist eine Freude zu sehen, wie gut die Zusammenarbeit klappt: Zwischen Bezirksfunktionären und der örtlichen Feuerwehr, zwischen den Behörden, anderen Einsatzorganisationen und der Feuerwehr, zwischen dem Bürgermeister, seinem Team, dem Bauhof und der Feuerwehr, zwischen dem Löschzug und der Hauptwache und vorallem innerhalb der Feuerwehr. Der Teamgeist steht im Vordergrund, jeder unterstützt jeden. Entscheidungen muss im Endeeffekt der Führungsstab treffen, doch bringen Alle ihre Ideen ein und so soll es auch sein. Von der Feuerwehrjugend bis zum 75-jährigen, nichtaktiven Mitglied helfen alle mit.

Aus diesem Grund möchte ich mich ganz herzlich bei "meinen" Feuerwehrkameraden, von der Hauptwache Markt und vom Löschzug Jadorf bedanken !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

   
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Sonstiges ...  
Kleine Episode: die Gemeindestraße zwischen Kuchl und Golling war von unseren Kräften wegen Überflutung gesperrt. Einen jugendlichen PKW-Fahrer beeindruckte dies nicht besonders. Er umfuhr die Absperrung, ignorierte die heftigen Handzeichen unserer Männer und blieb nach einer Weile in den Fluten stehen. Er konnte sich nur mehr durch das Seitenfenster aus dem Fahrzeug befreien und das Auto wurde von unseren Männern aus dem Wasser gezogen. Erstaunlicherweise konnte das Fahrzeug nach einiger Zeit wieder flott gemacht werden. Der jugendliche Lenker fuhr seinen PKW heim nach Kuchl und stellte es in der Tiefgarage ab. Es war dann leider eins von den drei Fahrzeugen die nicht mehr vor der Überschwemmung aus der Tiefgarage gerettet werden konnte!

Neben dem Leid und der Not, die mir die Leute bei meinen Rundfahrten klagten (leider konnte ich nicht zu Allen kommen) zeigten viele Kuchler Bürger Verwunderung, dass in den Zeitungen und im Fernsehen  fast keine Berichte über Kuchl zu finden waren. Man hatte den Eindruck, dass Kuchl auf der Katastrophenlandkarte nicht existiert und gänzlich vom Hochwasser verschont geblieben wäre.

Ich verstehe schon, dass, wenn im gesamten Land der Ausnahmezustand herrscht, die örtlichen Berichte etwas zurückstehen müssen. Aber zumindest von den Bezirkszeitungen könnte man sich eine genaue Recherche erwarten.

Prompt reagiert hat hingegen das Kuchler Gemeindeamt, schon am 14. August ging eine umfassende Information an die gesamte Kuchler Bevölkerung. Die speziell Betroffenen wurden ständig informiert.


Schaulustige gab es genug - am zweiten Tag pilgerten um den Bürgerausee fast so viele Leute wie beim Seefest, das wir leider absagen mussten. Ein großer finanzieller Verlust, aber wir hoffen auch weiterhin, so wie bisher auf die Unterstützung durch die Gemeinde.

Die Schaulustigen in Kuchl behinderten die Einsatzkräfte, meines Wissens nach, in keiner Weise. Teilweise halfen sie sogar bei den Arbeiten mit.

In herzlicher Dank gilt hier der Fam. Sack, von der die meisten dieser Fotos stammen.

Ebenfalls herzlichen Dank an die Fa. Citroen Wenger, die unsere defekte Tragkraftspritze (sie war in der Unterführung zurückgeblieben) kostenlos repariert haben. Ein Dank ebenfalls an die Druckerei Schönleitner und das Lagerhaus Kuchl. Weiters an die Firmen, die großes Verstädnis für die Arbeiten der Feuerwehr zeigten.

Besonderer Dank an unsere Frauen und Verwandten, sie halfen mit, verpflegten uns und zeigten ebenfalls viel Verständnis dafür, dass wir fünf Tage fast nicht zu Hause waren.

Das Wasser ging, Gott sei Dank fast so schnell wieder zurück wie es gekommen war. Zurückgeblieben sind große Schäden, viel Gerümpel und menschliches Leid sowie die Gewissheit, dass Katastrophen auch in Zukunft wieder möglich sind.

Die Mitglieder der Freiw. Feuerwehr Kuchl möchten sich bei allen Beteiligten für die Hilfe, für die Unterstützung und für das Verständnis herzlich bedanken.

Gott zur Ehr' dem Nächsten zur Wehr - menschlich betrachtet ...

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Ein Kommentar von Rupert Unterwurzacher  
Unterwurzacher RupertFeuerwehr ist kein Hobby - ein Feuerwehrmitglied zu sein ist eine Berufung. Und wenn man dieser Berufung - anderen Menschen helfen zu können und sich dabei auf seine Freunde verlassen kann - wenn man also dieser Berufung nachgeht, dann macht man sich auch immer wieder kritische Gedanken zum Thema "Feuerwehr" und Alles was damit zusammen hängt ...

Weil man diese Gedanken eher schwierig durch Fotos ausdrücken kann, gibt es in dieser Rubrik: "Persönliche Gedanken" ein wenig mehr zum Lesen und ein bisschen weniger zum "Bildchen schauen" ...
Hier lesen Sie mehr über den Autor:   Rupert Unterwurzacher
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