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Feuerwehrkuraten - Randfigur oder wichtiger Dienst ?

Feuerwehrkuraten ... Referat österreichische Kuratentagung in Linz

Am 8. Jänner 2004 wurde ich als Gastreferent zum 1. Treffen der österreichischen Feuerwehrkuraten nach Linz eingeladen und hielt zum Thema: "Erwartungen eines Kommandanten an den Feuerwehrkuraten" folgendes Referat:

Ich habe zum Thema „Erwartungen an einen Feuerwehrkuraten“ im Herbst 2003 im Internet-Diskussionsforum „Fireworld“ ein Umfrage gestartet und die österreichweiten Antworten decken sich im Großen und Ganzen mit meinen eigenen, persönlichen Vorstellungen: Neben den „normalen“ Aufgaben an einen Feuerwehrkuraten, wie Feuerwehrbezogene Gestaltung bei Floriani- und Jubiläumsfeiern, aktive Teilnahme am Feuerwehralltag - damit die Kuraten auch wissen wovon sie oder ihre Kameraden sprechen, neutrale Mithilfe bei Konfliktbewältigung usw., ist für mich das ZUHÖREN eine besonders wichtige Fähigkeit eines Feuerwehrkuraten. Was ich mit ZUHÖREN  meine, möchte ich gerne an einem Beispiel erklären. Wir hatten zwar in letzter Zeit in Kuchl leider viele belastende Verkehrsunfälle mit Toten und Verletzten , mein Beispiel liegt allerdings schon etwas länger zurück:

Einsatzbefehl für die Freiw. Feuerwehr Kuchl am 22. Dezember 1997 - Werkstättenbrand nach einer Gasexplosion.
Ich war damals Zugskommandant und dadurch erster Einsatzleiter. Wir kamen nach relativ langer Anfahrtszeit zum Brandobjekt und fanden folgende Lage vor: Die Werkstätte im Vollbrand, vor dem Haus ein völlig fertiger, verletzter Vater, der immer:" mein Bua, mein Bua" schrie. In der Werkstatt mitten in den Flammen - ein Acetylenflasche und eine Sauerstoffflasche - neben den Flaschen sah man die verkohlten Beine des 11-jährigen Sohnes. In einem ersten Angriff unter schwerem Atemschutz gelang es meinen Männern nicht, bis zum Sohn vorzustoßen. Meine damalige in Sekunden zu fällende Entscheidung war folgende: Durch die Explosionsgefahr kein weiterer Innenangriff, Brandbekämpfung aus der Deckung  heraus usw. ...
Die nächsten zwei bis drei Stunden vergingen im Flug, man hatte neben den Einsatzentscheidungen und sonstigen Arbeiten, wenig Zeit zum Nachdenken. Nachdem das tote Kind geborgen wurde und die Aufräumungsarbeiten begonnen hatten, da kamen mir die ersten Gedanken: Habe ich richtig gehandelt, wäre das Kind noch zu retten gewesen, hätte ich meine Leute hineinschicken sollen,  - WARUM darf so was passieren ... was wäre - WENN ...
Die Gedanken nagten so richtig in meinem Kopf, mir ging es schlecht.
Und da kam unser Pfarrer auf mich zu. Ich habe ihn damals noch nicht persönlich gekannt, da er erst kurze Zeit in unserem Ort war. Nachdem er sich um das tote Kind und die Verwandten gekümmert hatte, redete er mit mir, er hörte mir zu, er kümmerte sich um mich. Ich weiß eigentlich nicht mehr genau, was er wörtlich zu mir gesagt hat, auf jeden Fall hat er mir alleine schon durch sein Zuhören sehr geholfen., das Ereignis zu verarbeiten. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass der 11-jährige Bub schon bei der Explosion getötet wurde und beim Eintreffen der Feuerwehr schon ca. 20 Minuten tot war.

Vor kurzem habe ich zufällig mit unserem Pfarrer wieder über dieses Ereignis gesprochen und ihm erzählt, dass er mir damals sehr geholfen hat. Er war eher verwundert - dies sei einer der ärgsten Tage in seiner Laufbahn gewesen, er sei sich so hilflos vorgekommen, wusste selbst nicht, wie er den Eltern Trost spenden sollte, aber er hat mir zugehört und obwohl es ihm dabei selbst nicht gut gegangen ist, hat er mir damit gezeigt, dass ich nicht alleine dastehe. Er hat mir gezeigt, dass es auch Anderen nicht gut geht. Er hat mir gezeigt, dass es „normal“ ist, wenn man sich nach solchen Einsätzen Gedanken macht.

Ich bin der Meinung, das die meisten Feuerwehrkuraten, egal welcher Konfession sie angehören, durch Ihren Beruf oder besser gesagt durch Ihre Berufung, die Fähigkeit haben, zuzuhören und dadurch Ihren Beistand zu leisten. Man kennt sie persönlich, man kommt aus der gleichen Gemeinschaft und hat dadurch ein bestimmtes Vertrauensverhältnis aufgebaut. So wie jeder Einsatz anders ist, so kann auch jede Stressverarbeitung nach belastenden Einsätzen verschiedene Methoden erfordern. Notfallpsychologen, Kriseninterventionsdienst, Peers usw. sind natürlich ebenfalls Möglichkeiten auf die man zurückgreifen kann.

Ob Randfigur oder wichtiger Dienst kommt natürlich, so wie bei jedem Anderen, auch beim Feuerwehrkuraten auf den jeweiligen Menschen drauf an. Wenn wir aber schon das Glück haben, Feuerwehrkuraten mit den erforderlichen Fähigkeiten in unserer Gemeinschaft zu haben, dann sollten wir froh sein, diese Fähigkeiten für uns und unsere Kameraden auch nützen zu können.

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Ein Kommentar von Rupert Unterwurzacher  
Unterwurzacher RupertFeuerwehr ist kein Hobby - ein Feuerwehrmitglied zu sein ist eine Berufung. Und wenn man dieser Berufung - anderen Menschen helfen zu können und sich dabei auf seine Freunde verlassen kann - wenn man also dieser Berufung nachgeht, dann macht man sich auch immer wieder kritische Gedanken zum Thema "Feuerwehr" und Alles was damit zusammen hängt ...

Weil man diese Gedanken eher schwierig durch Fotos ausdrücken kann, gibt es in dieser Rubrik: "Persönliche Gedanken" ein wenig mehr zum Lesen und ein bisschen weniger zum "Bildchen schauen" ...
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