FF Kuchl nach rechts Berichte nach rechts Einsätze nach rechts Archiv - Unwetter nach rechts  Hochwasserkatastrophe 2002    

Einsätze Archiv Unwetter - Freiwillige Feuerwehr Kuchl


Hochwasserkatastrophe ...
12. - 16.08.2002
Pipseralarm der Freiwilligen Feuerwehr KuchlBereits seit 04:25 ist Ortsfeuerwehrkommandant Rupert Unterwurzacher und sein Stellvertreter Johann Struber am 12. August 2002 im Ortsgebiet von Kuchl unterwegs um die Lage zu beurteilen. Zu dieser Zeit liegt der unmittelbare Gefahrenbereich beim Kerterer- und Mannsbach. Um 06:06 wird das erste Mal Alarm ausgelöst. Holzbrücken heben, mit dem Gemeindebagger Verklausungen lösen und Dämme aufschütten, Sandsäcke füllen und zusammen mit Holzpfosten in Stellung bringen, Auspumpen - das sind die ersten Maßnahmen an diesem Vormittag. Der Kerterbach geht erstaunlicher Weise leicht zurück, der Mannsbach konnte halbwegs unter Kontrolle gehalten werden. Durch die enormen Wassermassen bereitet sich der Gefahrenbereich bedrohlich aus: Meldungen über Mitter-, Weißen-, Schwarzerbach und Salzach sowie Tauglbach, lassen Beunruhigendes erahnen. Zu diesem Zeitpunkt sind 85 Feuerwehrmänner aus Kuchl bereits im Einsatz. Zur Unterstützung wird die FF Vigaun im Ortsteil Garnei angefordert. Neben diesen Arbeiten kommen weitere Einsätze wie "Baum in Stromleitung" oder Hangrutschungen dazu ...
 
In Kellau sind um die Mittagszeit bereits große Teile durch die Salzach überflutet. Feuerwehrboote aus Adnet und Hallein werden angefordert, können aber mit ihren Paddeln wegen der starken Strömung nur bedingt eingesetzt werden. Auch Hubschrauber stehen zur Verfügung.  Kühe und Hühner werden unter Mithilfe Kuchler Feuerwehrmänner, gerettet. Brücken über die Salzach in den Nachbarsgemeinden Golling und Hallein sind zu dieser Zeit schon gesperrt. In Kuchl wird die Verbindung der Ortsteile Weißenbach mit dem Markt durch Auspumpen der Eisenbahnunterführung noch aufrecht erhalten.
 
Sirenenalarm der Freiwilligen Feuerwehr KuchlÜber Funk dann die Meldung der Beobachtungsposten an den Ortsfeuerwehrkommandanten: "Die Salzach ist im südlichen Bereich des Bürgerausees ausgebrochen und überschwemmt den See !!!"

Der Einsatz in den folgenden Minuten lief durch die Zusammenarbeit aller eingesetzten Kräfte, wie aus dem Lehrbuch ab: Zivilschutzalarm wurde ausgelöst - Die Bevölkerung des Untermarktes mit Lautsprecher und Megaphon gewarnt - abgestellte Fahrzeug wurden so gut als möglich aus dem Gefahrenbereich gebracht (ca. 40 Autos konnten gerettet werden) - Straßen und Zufahrten gesperrt - Bezirksführungsstab von der neuen Situation informiert - die Einsatzfahrzeuge und -Kräfte im Bereich der Bahnunterführung konnten sich im letzten Moment auf die Anhöhe zur Salzachbrücke in Sicherheit bringen (eine Tragkraftspritze musste leider zurück gelassen werden).
 
Der Bürgerausee füllte sich innerhalb kürzester Zeit an und ergoss sich anschließend über den Park (Seefestgelände) in die Unterführung, füllte diese zur Gänze an. Wie ein Wildbach bannte sich das Wasser durch den Untermarkt und überflutete bis zur Moossiedlung alles, auch das 1984 erbaute Feuerwehrhaus. Schulungsraum, Küche, Schlauchwaschanlage, Zimmergewehrräume und Keller sind verwüstet.
 
Von der Überschwemmung des Sees bis zur Überflutung des Untermarktes vergingen nur einige Minuten - Ein Abwendung dieser Katastrophe wäre zu dieser Zeit mit keinen Mitteln möglich gewesen. Bis spät in die Nacht versuchen die Einsatzkräfte allen Betroffenen zu helfen wo es möglich ist. Teilweise muss man die Absenkung des Grundwassers abwarten um mit den Auspumpen Erfolg zu haben. Die Kommunikation in der Einsatzzentrale der Feuerwehr bricht ebenfalls zeitweise zusammen. Auch die Handynetze sind überlastet.  
 
Für die Menschenrettung in der Fischerausiedlung stehen Boote und Hubschrauber zur Verfügung ... 
 
Pipseralarm der Freiwilligen Feuerwehr KuchlAm nächsten Tag um 07:00 ging es wieder los und auch in den nächsten Tagen sollte uns die Aufräumungsarbeit nicht los lassen ...

Die Zusammenarbeit zwischen den Kameraden der Hauptwache Markt und dem Löschzug Jadorf verlief vorbildlich. Auspumparbeiten, Aufräumungsarbeiten, Öleinsätze, Umweltschutz. Die Einsatzleitung in Kuchl steht mit dem Bezirksführungsstab der Feuerwehr unter Leitung des Bezirkfeuerwehrkommandanten OBR Schinnerl Anton und dem Krisenstab des Bezirkes, mit Bezirkshauptmann Dr. Aigner an ihrer Spitze, ständig in Verbindung um den örtlichen Einsatz zu koordinieren. Die Unterstützung durch dies Institutionen ist hervorragend. Bezirkshauptmann, Bezirksfeuerwehrkommandant und Abschnittsfeuerwehrkommandant machen sich auch persönlich ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe in Kuchl und führen Gespräche mit den Betroffenen. Auch mit Bürgermeister Pius Züger und seinem Team werden weitere Vorgangsweisen besprochen und in die Tat umgesetzt.
 
Die große Überschwemmung begann am Montag, den 12. August 2002 - Die Aufräumungsarbeiten der Feuerwehr Kuchl im gesamten Ortsgebiet dauerten bis Samstag, den 16. August 2002.
 
Erst nachdem den Hauptbetroffenen geholfen wurde, konnte nun auch im eigenen Feuerwehrhaus an das Auspumpen des Kellers und an Aufräumungsarbeiten gedacht werden. Küche, Schulungsraum, Sanitäre Anlagen, Keller, Schlauchwaschanlage und die Räume der Zimmergewehrschützen zeigen ein Bild der Verwüstung und sind völlig zerstört. Als das Hochwasser kam, konnten sich die eigenen Leute, die gerade mit dem Ausräumen begonnen hatten, nur in letzter Minuten retten. Fahne, Wimpel und viele historische Gegenstände wurden beschädigt. Dass man in diese gefährdeten Räume wieder einen Schulungsraum hineinbaut, kann sich bei der Feuerwehr niemand vorstellen ...
 
Die Unterstützung, die aus der Bevölkerung kommt ist in solchen Fällen die ultimative Motivation auch in Zukunft seine Freizeit für diese Feuerwehr zu opfern ...
 
Siehe dazu auch: Die Gedanken des Ortsfeuerwehrkommandanten ...
 
  nach oben ... zurück zur Einsatzübersicht ...
Trennungslinie
 
Einsatzdaten: 12. - 16.08.2002
Einsatzleiter: HBI Rupert Unterwurzacher und OBI Johann Struber
Einsatzort: Einsatzkarte - Freiwillige Feuerwehr Kuchl Gesamtes Ortsgebiet von 5431 Kuchl (Klicken Sie auf die Landkarte)
12. August 2002 - Einsatzzeit 06:06 - 24:00 Uhr
Hauptwache Kuchl: 52 33 Löschzug Jadorf:
Einsätze: 54 42 davon Auspumparbeiten:
Weitere Feuerwehren: 26 Adnet, Vigaun, Hallein:
 
13. August 2002 - Einsatzzeit 07:00 - 24:00 Uhr
Hauptwache Kuchl: 53 27 Löschzug Jadorf:
Einsätze: 82 72 davon Auspumparbeiten:
Weitere Feuerwehren: 64 Vigaun, Annaberg, Oberalm, Puch, Wiestal, Lungötz,
 
14. August 2002 - Einsatzzeit 07:00 - 22:00 Uhr
Hauptwache Kuchl: 42 10 Löschzug Jadorf:
Einsätze: 47 38 davon Auspumparbeiten:
Weitere Feuerwehren: 18 St. Koloman, Scheffau,
 
15. August 2002 - Einsatzzeit 08:00 - 18:00 Uhr
Hauptwache Kuchl: 33 6 Löschzug Jadorf:
Einsätze: 48 29 davon Auspumparbeiten:
 
16. August 2002 - Einsatzzeit 08:00 - 17:00 Uhr
Hauptwache Kuchl: 6    
Einsätze: 10 4 davon Auspumparbeiten:
 
Zusammenfassung:
Hauptwache Kuchl: Mannschaft: 186 Mannschaft: 76 Löschzug Jadorf:
Einsätze: 241 185 davon Auspumparbeiten:
Weitere Feuerwehren: Mannschaft: 108 Bezirk Tennengau:
Hauptwache Kuchl: Stunden: 2135 Stunden: 768 Löschzug Jadorf.
Zahlreiche Personen evakuiert,
12 Kühe und 14 Hühner gerettet,
ca. 40 Autos aus dem Gefahrenbereich gebracht,
über 200 Gebäude betroffen,
Geräte: 10 Tragkraftspritzen, 26 Tauchpumpen, 4 Schmutzwasserpumpen,
ORF-Livespendenaktion in Wien: Lm Wessely Rudolf und HFm Saringer Bernhard und 3 weitere Kameraden aus Salzburg waren mit dabei ...
  nach oben ... zurück zur Einsatzübersicht ...
Trennungslinie
 
 
 
 
TextHBI Rupert Unterwurzacher FotoFF Kuchl, Fam. Sack, Fam. Wimmer, Hr. Hawla, Exekutive, 
Trennungslinie